In den letzten acht Jahren befand sich die Haltung Südkoreas gegenüber Krypto-Assets in einem Zustand der heiklen Spaltung.
Einerseits verfügt es über einen der aktivsten und emotionalsten Krypto-Handelsmärkte der Welt. Mit einer hohen Dichte an Privatanlegern und rascher Handelsfrequenz werden neue Narrative fast immer zuerst auf dem südkoreanischen Markt verstärkt. Andererseits wurden auf institutioneller Ebene börsennotierte Unternehmen und professionelle Institutionen lange Zeit ausdrücklich ausgeschlossen – es ist ihnen untersagt, diese Vermögenswerte zu halten, zuzuweisen oder auch nur in ihre Bilanzen aufzunehmen.
So nahm ein langjähriger, aber selten anerkannter struktureller Widerspruch allmählich Gestalt an: Der Markt war bereits ausgereift, doch das System blieb absent.
Am 12.01.2025 wurde dieser Widerspruch schließlich von den Behörden aufgelöst. Die südkoreanische Finanzaufsichtsbehörde (FSC) genehmigte offiziell, dass börsennotierte Unternehmen und professionelle Investoren jährlich bis zu 5 % ihres Eigenkapitals in die Top-20-Krypto-Assets nach Marktkapitalisierung allokieren dürfen.
Dies markiert das offizielle Ende des seit 2017 bestehenden umfassenden Verbots der institutionellen Teilnahme am Kryptomarkt.
Wenn man nur auf die Proportionen schaut, ist diese Politik nicht radikal; die wirklich wichtige Änderung liegt darin, „wer eintreten darf".
In den letzten Jahren haben die südkoreanischen Aufsichtsbehörden immer wieder nur zwei Schlüsselwörter betont: Anlegerschutz und systemisches Risiko. Diesmal haben die Regulierungsbehörden sich jedoch nicht für eine vollständige Deregulierung entschieden, sondern äußerst klare Grenzen vorgegeben:
Dies fördert nicht die Risikobereitschaft, sondern tut etwas Realistischeres: Wenn Krypto-Assets auf gesellschaftlicher Ebene zu einer wichtigen Anlageklasse geworden sind, schafft der fortgesetzte Ausschluss aller Institutionen selbst neue Risiken.
Die „Lockerung" des Systems ist kein Schritt in Richtung Radikalismus, sondern eine verspätete rationale Korrektur.
Diese Änderung geschah nicht plötzlich und resultierte auch nicht aus einem ideologischen Wandel; vielmehr wurde sie durch wiederholte Impulse aus der Realität vorangetrieben.
Bis 2025 hatten südkoreanische Investoren mehr als 160 Billionen Won (etwa 110 Milliarden US-Dollar) auf ausländische Kryptowährungs-Handelsplattformen überwiesen.
Trotz regulatorischer Verzögerungen sind Krypto-Assets zu einem der wichtigsten Investment-Vermögenswerte in Südkorea geworden, mit fast 10 Millionen Investoren, aber die Handelsaktivitäten finden zunehmend außerhalb des Regulierungsbereichs statt.
Die Konsequenzen daraus sind nicht kompliziert, aber äußerst real:
Unter einer solchen Struktur ist die Aufrechterhaltung des „institutionellen Verbots" nicht länger umsichtig, sondern verstärkt vielmehr systemische Lücken. Nun, mit der Wiedereröffnung inländischer Compliance-Kanäle, sehen diese Mittel, die zum Abfluss gezwungen wurden, erstmals die Möglichkeit einer Rückkehr.
Noch wichtiger ist, dass dies keine isolierte politische Anpassung ist.
Kürzlich hat Südkoreas Finanzministerium klar seine Absicht erklärt, die Einführung von digitalen Asset-Spot-ETFs zu fördern. Von Diskussionen über Stablecoins über die Erlaubnis institutioneller Bestände bis hin zur Etablierung standardisierter Anlageinstrumente vollzieht sich ein klarer Wandel in der Regulierungslogik.
Wenn börsennotierten Unternehmen erlaubt wird, Krypto-Assets direkt zuzuweisen, und gleichzeitig konforme, regulierte und liquidierbare Finanzprodukte am Markt vorbereitet werden, ist das Signal sehr klar: Was die Regulierungsbehörden wirklich besorgt, ist nicht mehr „ob Institutionen in den Markt eintreten dürfen oder nicht", sondern „wie man Institutionen innerhalb des Systems hält".
Dies bedeutet, dass Südkorea einen vollständigen Weg zur institutionellen Teilnahme aufbaut: von direktem Eigentum über standardisierte Produkte bis hin zu einem konformen Handels- und Clearingsystem, anstatt fragmentierter und passiver Einzelfallbehandlung.
Was sich wirklich geändert hat, ist nicht Südkoreas Einstellung zu Krypto-Assets, sondern dass die Regulierungsbehörden endlich anerkannt haben, dass dieser Markt nicht länger aus dem System ausgeschlossen werden kann.
Da börsennotierte Unternehmen, professionelle Institutionen und konforme Investmentkanäle beginnen, sich gleichzeitig auszurichten, ändert sich auch die Rolle von Krypto-Assets in Südkorea – sie sind nicht länger nur ein passiv tolerierter Graumarkt, sondern eine Vermögensform, die formell in das Finanzsystem integriert wird und verwaltet, reguliert und ernst genommen werden muss.
Dieser Schritt kam nicht früh, aber zumindest hat er endlich begonnen.
*Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investieren birgt Risiken; bitte investieren Sie mit Vorsicht.


