Die Ethereum Foundation, die als Non-Profit-Organisation die Entwicklung des Ethereum Ökosystems mitprägt, hat am Freitag auf ihrem Blog ein neues Mandat veröffentlicht. Das Dokument soll Ethos, Zuständigkeiten und Prioritäten der Organisation festlegen.
Zwei Ziele stehen dabei im Zentrum: Die Dezentralität von Ethereum (ETH) soll dauerhaft gewahrt bleiben und Nutzer sollen die letzte Entscheidungsgewalt über ihre Onchain-Assets und Daten behalten. Gleichzeitig soll das Protokoll globale Skalierung erreichen.
Im Mandat bekennt sich die Foundation ausdrücklich zu Zensurresistenz, Open Source, Privatsphäre, Sicherheit und freiheitserhaltender Technologie. Diese Eigenschaften werden als nicht verhandelbare Grundpfeiler beschrieben.
In einem begleitenden X-Post ordnet die Organisation ihre eigene Bedeutung bewusst ein. Übersetzt heißt es dort:
»Wir waren Ethereums erster Verwalter. Jetzt sind wir einer von vielen. Und wenn wir weg sind, hoffen wir, dass die Prinzipien hier ohne uns weiterleben.«
Die Botschaft ist eindeutig: Ethereum soll nicht von einer zentralen Instanz abhängen.
Konkret will sich die Ethereum Foundation weiterhin auf Protokoll-Upgrades, langfristige Forschung, Cybersecurity und Entwicklertools konzentrieren. Gleichzeitig betont das Mandat, dass die eigene Rolle mit der Zeit kleiner werden soll.
Aufgaben sollen durch Fortschritt und Reife des Ökosystems überflüssig werden. Als Leitbild formuliert das Papier den sogenannten Walkaway Test:
Ethereum müsse so robust und strukturell unabhängig werden, dass das Netzwerk „zuverlässig weiter funktionieren und sich weiterentwickeln“ könne, selbst wenn Foundation und heutige Kernentwickler morgen verschwinden würden.
Im kürzlich veröffentlichten Mandat der Ethereum Foundation ist strukturelle Unabhängigkeit einer der Grundpfeiler. Quelle: Ethereum Foundation
Das neue Mandat erscheint in einer Phase intensiver Debatten über Ethereums Skalierungsstrategie. Ethereum-Gründer Vitalik Buterin hatte zuletzt öffentlich Zweifel an der ursprünglichen Rollup-Vision geäußert. In einem X-Beitrag aus Februar schrieb er:
»Die ursprüngliche Vision von Layer 2s und ihrer Rolle in Ethereum ergibt keinen Sinn mehr, und wir brauchen einen neuen Weg.«
Er verwies darauf, dass viele Layer-2-Netzwerke zentrale Kontrollpunkte besitzen, etwa Multisig Bridges oder zentrale Sequencer. Ein System mit 10.000 Transaktionen pro Sekunde, das über eine Multisig Bridge an Layer 1 angebunden ist, skaliere Ethereum nicht im dezentralen Sinne.
Statt Layer 2 primär als Skalierungsinstrument zu verstehen, sollten Netzwerke stärker spezialisierte Funktionen übernehmen, etwa für Privatsphäre, Identität, Finanzanwendungen oder soziale Plattformen.
Mit dem veröffentlichten Mandat setzt die Ethereum Foundation einen klaren Rahmen für ihre künftige Rolle. Der Anspruch, sich langfristig selbst entbehrlich zu machen, ist ambitioniert und konkret formuliert. In Kombination mit der offenen Layer-2-Debatte entsteht ein strategisches Gesamtbild.
Mit dem Walkaway Test setzt sich die Ethereum Foundation selbst eine harte Benchmark. Nicht Marktanteile, nicht Transaktionen pro Sekunde, sondern strukturelle Unabhängigkeit wird zur Messgröße. Damit wird Dezentralität operationalisiert und nicht nur rhetorisch beschworen.


